Umwelt und Natur in der Nordsee

Biologen stoßen auf überraschende Vielfalt in Nordseetiefen

Biologen stoßen auf überraschende Vielfalt in Nordseetiefen

Biologen stoßen auf überraschende Vielfalt in Nordseetiefen

Röm/Rømø
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Seeigel und Seenelken zählen zu den Lebewesen am Boden westlich der Inseln Sylt und Röm in 8 bis 48 Metern Tiefe. Das Bundesamt für Naturschutz ist für den Erhalt des FFH-Gebietes Sylter Außenriff in Nachbarschaft zum geplanten neuen dänischen Schutzzone zuständig. Foto: BfN

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Die dänische Umweltbehörde untersucht den Meeresboden westlich von Röm erstmals flächendeckend. Die Forscher schwärmen von Korallenverwandten wie der Toten Mannshand und großen Seeigeln in über 20 Meter Tiefe.

Das dänische Umweltministerium hat vor einigen Monaten Pläne zur Schaffung neuer Schutzzonen in Meeresgebieten, unter anderem in Bereichen westlich und nordwestlich der nordschleswigschen Insel Röm (Rømø), vorgelegt. Derzeit läuft noch die Anhörung, in der Interessenverbände und Privatpersonen Stellungnahmen einreichen können. Es geht dabei auch um eine künftig weniger intensive fischereiliche Nutzung der Meererszone westlich des Wattenmeers.

Erstmals intensive Erkundung

Die staatliche dänische Umweltbehörde „Miljøstyrelsen“ berichtet über neue Erkundungen in den schutzbedürftigen Bereichen. Nach Angaben der Behörde ist erstmals flächendeckend die Bodenfauna kartiert worden. Unter Einsatz von Unterwasserkameras stießen die beteiligten Biologen auf Bereiche mit einer unerwartet großen Vielfalt an teils farbenprächtigen Tieren. So wurden in Steinriffen große Vorkommen der mit den Korallen verwandten Hohltiere mit dem deutschen Namen Tote Mannhand („Dødningehånd“) entdeckt, die auch als Lederkoralle bezeichnet werden. Man findet diese Hohltiere manchmal bei Wattwanderungen oder im Spülsaum der Nordseeinseln. Auch lilafarbene Seeigel und prächtige Kalkröhrenwürmer tauchten auf.

Tiere aus der Verwandtschaft der Korallen wie die Tote Mannhand wurden von Biologen westlich von Röm am Meeresboden mit Kameras aufgespürt. Foto: mst.

Nach Angaben der Behörde waren die Seegebiete bisher nur punktuell untersucht worden. Daher herrschte die Ansicht vor, es gebe in den Bereichen nordwestlich von Röm nur relativ eintönige Bodenbereiche. Allerdings kann man auf Röm nach Stürmen oft im Spülsaum interessante Tiere oder auch Tange aus größeren Tiefen finden, beispielsweise auch Schalen der Islandmuschel.

Die Karte zeigt die Bereiche, die durch die dänische Umweltbehörde untersucht worden sind. Foto: mst.

„Es erwiesen sich Gebiete, wo wir dachten, dort dominierten gleichartige Meeresbodenverhältnisse, als sehr vielfältig. Wir haben beispielsweise neue Bereiche mit steinigem Boden kartiert, die uns vorher nicht bekannt waren“, berichtet der Büroleiter der Umweltbehörde, Harley Bundgaard Madsen.

Die steinigen Bereiche bieten besonders vielen Bodenbewohnern Lebensraum. Während früher nur die Böden im Abstand von 15 Kilometern zwischen den Schifffahrtsrouten untersucht worden waren, registrierten die Forscher nun die Böden im Abstand von nur 1,5 Kilometern.

Behörden müssen aktiv werden

Die Ergebnisse fließen in Zustandsberichte ein, die Grundlage bei den in der EU einschließlich Dänemarks vorgeschriebenen Maßnahmen für die als schützenwerte Habitate eingestuften Seegebiete sind. Das bedeutet, es müssen bei Vorkommen schützenwerter und wegen Gefährdung durch Schutzmaßnahmen zu bewahrenden Arten wirksame Konzepte erarbeitet werden. Dazu können Verbote zählen, etwa schützenswerte Bodenbereiche durch Grundnetzfischerei zu schädigen.

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