Konfirmation 2020

„Keiner kann sich verstecken“

„Keiner kann sich verstecken“

„Keiner kann sich verstecken“

Katja Elsberger
Hadersleben/Haderslev
Zuletzt aktualisiert um:
Pastorin Christa Hansen und ihre Konfirmandinnen Sofia Callesen und Michielle Brandt (r.) lernen sich in dieser kleinen Gruppe ganz anders kennen. Foto: Katja Elsberger

Pastorin Christa Hansen konfirmiert in diesem Jahr lediglich zwei Mädchen. „Man kommt sich näher, und wir diskutieren anders“, finden die Konfirmandinnen.

In der kleinen, weiß gekalkten Herzog-Hans-Kirche im Zentrum von Hadersleben finden sich regelmäßig die diesjährigen Konfirmanden zum Unterricht mit Pastorin Christa Hansen ein.
Das Besondere: Hansen hat in diesem Jahr nur zwei Schützlinge, die sie auf dem Weg zur Konfirmation am 3. Mai im Haderslebener Dom begleitet – Sofia Callesen aus Hadersleben und Michielle Brandt aus Ösby/Øsby.

„Wir treffen uns unregelmäßig – zum Beispiel sind auch die Sonntagsdienste ein Teil der Vorbereitung“, erzählt Christa Hansen. Dadurch, dass sie eine kleine Gruppe sind, sind die Konfirmanden und die Pastorin sehr flexibel. „Es gibt kein festes Programm, das wir unbedingt durchlaufen müssen.“

Mehr Zeit für einander

In einer so kleinen Gruppe lerne man sich auch viel besser kennen, erzählt Hansen. „Man hat mehr Zeit für einander, und durch diese Aufmerksamkeit kommt man sich näher – die Konfis mit mir als Pastorin und auch umgekehrt.“ Aufrichtigkeit habe ebenso einen hohen Stellenwert in der Gruppe. „Wir diskutieren anders“, erklärt Hansen. Es sei ja nicht möglich, „sich zu verstecken“.

Ihr sei wichtig, dass die Konfirmanden den Unterricht in guter Erinnerung bewahren und gerne wiederkommen, betont Christa Hansen. „Ich lege großen Wert darauf – und das ist mein höchstes Ziel –, dass die Konfirmanden sich wohlfühlen.“

Es ist ein bisschen wie erwachsen werden.

Sofia, Konfirmandin

Und dies gelingt der Pastorin offenbar. Denn Sofia nimmt sogar schon zum zweiten Mal am Konfirmanden-Unterricht teil. Denn bereits vergangenes Jahr hat sie ihre Freundin Sørine zum Unterricht bei Christa Hansen begleitet, obwohl sie erst dieses Jahr dran ist. „Ich war ganz überrascht, als ich erfahren habe, dass Sofia noch gar nicht konfirmiert ist“, so die Pastorin.
An der „Kløvermarken Skole“, die Michielle besucht, gibt es jeden Donnerstag Konfirmanden-Unterricht – dennoch ist sie auch gerne beim deutschen Unterricht in der Herzog-Hans-Kirche dabei. „Ich habe Sofia versprochen, dass wir die Konfirmationsvorbereitung zusammen machen“, erzählt Michielle. So habe sich ergeben, dass die beiden Freundinnen, die sich in der Deutschen Schule Hadersleben kennengelernt haben, nun gemeinsam zum deutschen Unterricht gehen.

Gemeinsam mit der Pastorin singen die Mädchen Lieder, Hansen motiviert die beiden dazu, nicht schüchtern zu sein. „Wollt ihr, dass wir für jemanden oder etwas Bestimmtes beten?“, fragt Hansen Sofia und Michielle. Die drei beschließen, ein gemeinsames Gebet für die am Coronavirus Erkrankten zu sprechen. Ein sehr wichtiger Teil des Unterrichts ist das Beten des Vaterunsers und des Glaubensbekenntnisses.

Wie erwachsen werden

Was die beiden im Hinblick auf ihre Konfirmation fühlen? „Es ist ein bisschen wie erwachsen werden“, erzählt Sofia. „In allen Religionen gibt es ein Ritual, um erwachsen zu werden“, fügt die Pastorin hinzu.
Christa Hansen zeigt sich begeistert über den Ehrgeiz der Mädchen: „Sie kennen jeden Winkel der Kirche. Michielle und Sofia übernehmen die Hilfsdienste als Kirchendiener, setzen die Liedernummern auf und gehen beim Gottesdienst mit dem Klingelbeutel herum.“ Die Pastorin hat den Mädchen auch vorgeschlagen, eine eigene kleine Konfirmation mit ihren Familien in der kleinen Herzog-Hans-Kirche zu feiern – die Mädchen wollen aber unbedingt bei der großen Feier im Dom konfirmiert werden. „Der Dom ist so groß und hoch – das gefällt mir sehr“, erklärt Sofia. „Dieser feierliche Moment und die Großartigkeit des Gotteshauses haben eine große Bedeutung sowohl für die Konfirmanden als auch für die Familien“, betont Hansen.

„Ich spreche im Unterricht konsequent Deutsch“, erzählt die Pastorin. Sofia und Michielle tauschen sich hin und wieder auch auf Dänisch aus, weil sie auch außerhalb des Unterrichts Dänisch miteinander sprechen. „Bei der Konfirmation wird ein Lied auf Dänisch gesungen und eine Lesung auf Dänisch gehalten – die anderen Lieder und Segnungen sind auf Deutsch“, erklärt Hansen. „Die beiden suchen sich ein Bibelwort aus, das der Kirchenälteste verliest.“

Ich habe Sofia versprochen, dass wir die Konfirmationsvorbereitung zusammen machen

Michielle, Konfirmandin

Sofia freut sich schon auf das gemeinsame Essen mit ihren Gästen. „Wir fahren zum Haus Harmonie. Die ganze Familie ist dabei.“ Michielle feiert wahrscheinlich in Øsby in einem Versammlungshaus. „Alles Weitere planen wir noch“, erzählt sie.

Konfirmation in Weiß

In Dänemark ist es Tradition, bei der Konfirmation Weiß zu tragen. „Es gibt immer mehr Konfirmations-Modenschauen“, erzählt die Pastorin. Sofia wird sich ihr Outfit im Internet bestellen – „wahrscheinlich wird es ein weißes Kleid“, vermutet die 14-Jährige. Michielle fährt mit ihrer Mutter nach Apenrade, um ein Outfit zu kaufen.

„Ich habe bei meiner Konfirmation ein Minikleid getragen“, schmunzelt die Pastorin. Zum Schreck ihrer Mutter, denn Hansen hat ihr Kleid damals an dem Abend vor der Einsegnung bei einer Nacht- und Nebelaktion kürzer geschneidert. „Am nächsten Tag ging ich dann so zur Konfirmation.“

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