Neujahrstagung

Professorin: Wir müssen „Synnejysk“ retten

Professorin: Wir müssen „Synnejysk“ retten

Professorin: Wir müssen „Synnejysk“ retten

Nordschleswig/Sankelmark
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Elin Fredsted berichtete über die Zukunft der nordschleswigschen Sprache „Synnejysk". Foto: Karin Riggelsen

Elin Fredsted sprach in Sankelmark bei der Neujahrstagung der deutschen Minderheit über die Zukunft der Sprache der Nordschleswiger – und die besondere Rolle der Minderheit.

Professorin Elin Fredsted (früher Europauniversität, Flensburg, und Süddänische Universität, Odense) hat am Sonnabend in der Akademie Sankelmark bei der Neujahrstagung der deutschen Minderheit in Nordschleswig ein Plädoyer für den Erhalt der nordschleswigschen Sprache „Synnejysk“ gehalten.

Obwohl „Synnejysk“ offiziell ein dänischer/schleswigscher Dialekt ist, legte Fredsted viel Wert darauf, dass „Synnejysk“ als eigenständige Sprache anerkannt wird. „Es ist eine autochthone Sprache, die nur hier gesprochen wird und erstmals im Jahre 1300 als eigene Schriftsprache auftauchte. Auch die Nordschleswiger selbst bezeichnen ,Synnejysk' als ,æ sproch' (die Sprache)“, sagte Elin Fredsted.

Die Sprache der Nordschleswiger habe ihre eigene Grammatik und besondere Wortstellungen, weshalb sie sich von Dialekten wie dem „Nordjysk“ unterscheide.

„Synnejysk“ hat es schwer

„Synnejysk“ habe es in diesen Jahren aber zunehmend schwerer, so die Professorin. Die nordschleswigsche Sprache sei eine Sprache der Großeltern. „Eltern reden nicht mehr ,Synnejysk' mit ihren Kindern“, berichtete Fredsted.

Vor allem im nördlichen Teil Nordschleswigs gebe es einen Schwund an „Synnejysk“-Sprechenden. Genauso wie Niederdeutsch und Hochdeutsch über die Jahre „Synnejysk“ aus dem Norden Deutschlands verdrängt habe, bestehe nun die Gefahr, dass Dänisch „Synnejysk“ aus dem Norden Nordschleswigs verdrängt.

„Die Kinder sagen nicht mehr ,it' (= nicht), sondern nutzen das dänische ,ik', bedauerte Elin Fredsted.

Für die eigene Sprache kämpfen

Man müsse für den Erhalt der nordschleswigschen Sprache kämpfen und Lobbyarbeit betreiben. „Es ist ein großes Problem, dass ,Synnejysk' keine Anerkennung erfährt und keine Lobby hat“, sagt die Professorin.

Dabei seien Mitglieder der deutschen Minderheit noch die besten Vertreter des „Synnejysk“.

„Aber wir müssen uns Gedanken darüber machen, wie wir mit der Sprache umgehen und wie wir ,Synnejysk' retten“, sagt Fredsted, die seinerzeit zu den Gründern des Vereins „Æ Synnejysk Forening“ gehörte. Der Verein habe sich allerdings nicht politisch für die Sprache eingesetzt, „aber wir müssen Widerstand leisten“.

Sie habe selbst vor zwei Jahren einen EU-Antrag gestellt, um „Synnejysk“ als Sprache anzuerkennen, doch sie habe keine Rückmeldung erhalten. „Einzelpersonen haben keine Wirkung – wir müssen mehr sein“, sagte sie.

Größeres Interesse bei der Jugend

„Totgesagte leben länger, heißt es, und wir können nur hoffen, dass das erneute Interesse der Jugend für ,Synnejysk' unter anderem im Internet Bestand hat“, sagte Fredsted.

„Synnejysk“ ist heute auch in Film und Musik besser vertreten, meinte der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, der darauf aufmerksam machte, dass die nordschleswigsche Interpretin Rikke Thomsen die „Genforenings“-Ausstellung im Sonderburger Schloss mit Liedern auf „Synnejysk“ eröffnet hatte.

Auch der neue Film „Onkel“, der gute Kritiken bekommen hat, spielt auf „Synnejysk“.

Sprache ist Kulturerbe

Warum die Sprache der Nordschleswiger wichtig sei?, fragte Elin Fredsted und gab selbst die Antwort: „Weil die Sprache der Nordschleswiger ein Stück schleswigsches Kulturerbe ist“, meint die Nordschleswigerin, die selbst aus Jels stammt – und selbstverständlich „Synnejysk“ sprach.

Außerdem hat sie mit Lehrmaterial auf „Synnejysk“ zum Erhalt der Sprache beigetragen. Das Material, das auf Initiative von Kulturkonsulent Uffe Iwersen vom Bund Deutscher Nordschleswiger erstellt worden ist, liegt auf der Webseite www.kulturakademi.dk unter dem Punkt „Lær dansk“.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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