Deutsche Minderheit

Wunsch nach Wochenzeitung erneut diskutiert

Wunsch nach Wochenzeitung erneut diskutiert

Wunsch nach Wochenzeitung erneut diskutiert

Apenrade/Aabenraa
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Auch auf der Delegiertenversammlung war die zukünftige Erscheinungsform des „Nordschleswigers" bereits Thema. Nun gab es erneut ein Treffen auf Anregung der Nordschleswigschen Gemeinde. Foto: Gwyn Nissen

Denkt bitte erneut und konkret über eine Wochenzeitung nach – diese Bitte wurde auf der jüngsten BDN-Hauptvorstandssitzung vorgebracht. Eine Initiative erläuterte dem Hauptvorstand den Wunsch nach einer wöchentlichen Papierausgabe des „Nordschleswigers“.

„Der Nordschleswiger“ soll ab Februar 2021 nur noch digital und als Monatsmagazin zu lesen sein und das sorgt nach wie vor für Diskussionen innerhalb der deutschen Minderheit in Nordschleswig.

Daher bat eine Initiative von Zeitungs-Unterstützern, die sich mit der Nordschleswigschen Gemeinde (NG) organisiert hat, den Dachverband der deutschen Minderheit auf seiner jüngsten Sitzung erneut, über das Publizieren einer wöchentlich erscheinenden Papierzeitung nachzudenken.

Senior und Pastor Matthias Alpen von der NG legte dem Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger auf dessen jüngster Sitzung ein Arbeitspapier der AG Öffentlichkeitsarbeit vor. Die AG formuliert darin den Wunsch, die Möglichkeiten einer Wochenpublikation noch einmal gründlich zu untersuchen.

Pastor Matthias Alpen Foto: Helge Möller

Pastor Alpen über Wochenzeitung: eher Frage des Wollens als des Könnens

„Für uns ergibt sich, an den BDN gerichtet, eher die Frage des Wollens als des Könnens. Es ist für uns offensichtlich, dass es eine Papierausgabe des ,Nordschleswigers’ weiterhin geben muss. Für wie lange, sei dahingestellt und wird sich im Laufe der Zeit herausstellen“, so das Fazit der Initiative, die von der AG Öffentlichkeitsarbeit der NG vertreten wird.

„Wir wünschen im Interesse der deutschen Minderheit, dass die Stimme des ,Nordschleswigers’ im öffentlichen Raum weiter wahrgenommen wird. Das Gespräch in der Minderheit über die Minderheit wird auch heute noch von den Stützen der Volksgruppe über den ,Nordschleswiger' geführt. Es hat Gewicht und Breitenwirkung, ist Kitt und Klammer.“

Die Initiative setzt sich vor allem für jene alten Mitglieder ein, denen der Umgang mit dem Internet fremd ist. Die Befürchtung: Diese Menschen aus der Minderheit werden vom Einstellen der Papierzeitung vom Informationsfluss abgekoppelt. „Viele von ihnen haben es nicht gelernt oder sind es nicht gewohnt, mit dem Internet umzugehen. Sie fühlten und fühlen sich durch den Beschluss des Hauptvorstandes nicht berücksichtigt, ja, mehr noch: bei ihnen kommt es so an, als seien sie gänzlich überflüssig“, schreibt die Initiative.

Die Nordschleswigsche Gemeinde zähle rund 600 Frauen und Männer über 65 Jahre aus Nordschleswig zu ihren Mitgliedern. Diese gehörten zu den potenziellen Nutzern einer Wochenzeitung, so die Einschätzung.

Die NG und andere Papierzeitungs-Unterstützer, u. a. der ehemalige Hauptvorsitzende des BDN, Hans Heinrich Hansen, wünschen sich ein Produkt, das die wichtigsten Artikel der Woche aus der digitalen Ausgabe des „Nordschleswigers“ enthält, zudem Familiennachrichten und Hinweise auf Veranstaltungen, bzw. Rezensionen von Veranstaltungen inklusive kirchlicher Nachrichten, Leserbriefe, Artikeln aus Schleswig-Holstein und Analysen.

Wochenzeitung – die Kosten

  • Bei einer Auflage von 600 Stück und einem Umfang von 32 Seiten, die zusammengestellt werden aus Nachrichten, die im Laufe der Woche auf nordschleswiger.dk erschienen sind, betragen allein die Kosten für den Druck 520.000 Kronen pro Jahr. Billigste Lösung, Voranschlag einer lokalen Druckerei, digitaler Druck auf normalem weißen A3-Papier
  • Kosten für ein Zeitungsformat nach dem Rotationsdruck (wie bisher bei einer Druckerei des SHZ):
  • 763.000 Kronen, jetziges Zeitungsformat
  • Personal (2 Mitarbeiter): 1 Million Kronen inklusive Personalnebenkosten
  • Porto und Vertrieb: min. 300.000 Kronen bei 600 Auflage. Offene Frage beim Porto: Gilt ein neues Format (A3 oder A4) dann noch als Zeitung (Porto zwischen 5 und 9 Kronen) oder als Magazin (eventuell muss das dann kuvertiert und foliiert werden, plus Porto zwischen 11 und 16 Kronen)
  • Vertriebsverwaltung und Organisation: 150.000 Kronen
  • Alternative: eine Berichterstattung im Newsletter-Format, A4 (z. B. wie seinerzeit Mandag Morgen oder Ugebrevet A4)

Ist das machbar? „Ja“, sagt der Chefredakteur des „Nordschleswigers“, Gwyn Nissen. „Aber dafür müssten dann knapp zwei Millionen Kronen zusätzlich für den ,Nordschleswiger’ bereitgestellt werden.“ Nissen machte deutlich: Eine Wochenzeitung dürfte nicht zulasten der Qualität der digitalen Ausgabe gehen. Sprich: Keine Mitarbeiter der jetzigen Redaktion würden für die Aufgabe abgestellt.

Seine Frage ist: „Wieviel Geld und Zeit wollen wir in eine Wochenzeitung investieren, die am Ende vielleicht von 300 Personen abonniert wird? Und zu welchem Preis? Denn meine persönliche Einschätzung ist, dass es am Ende weniger sind als die potenziell 600 NG-Mitglieder. Viele über 65 Jahre sind bereits digital und können das digitale Angebot des „Nordschleswigers" ohne Schwierigkeiten nutzen. Sie haben also die Möglichkeit, sich vom Nordschleswiger weiterhin informieren zu lassen.“


Gwyn Nissen Foto: DN

Chefredakteur: keine älteren Leute außen vor lassen

Unabhängig davon, wie viele am Ende eine Wochenzeitung abonnieren würden, seien mit einem gedruckten Produkt und dem Vertrieb davon hohe Kosten verbunden, so Nissen. Auch eine Art gedruckte Berichterstattung in Form eines informativen Newsletters sei denkbar, aber auch das sei keine billige Lösung: Kosten für Layout, Druck und Vertrieb würden bleiben. Man werde in den nun folgenden Gesprächen die Vorstellungen und Möglichkeiten gemeinsam abgleichen, so Nissen.

Man wolle und werde keine älteren Leute außen vor lassen, so Nissen. Er wiederholte das Angebot, dass der Nordschleswiger die älteren Mitglieder der Minderheit in Sachen digitale Zeitung persönlich besucht – und ihnen hilft, sich am Computer oder am Tablet zurechtzufinden. Auch eine Art gedruckte Berichterstattung in Form eines informativen Newsletters sei denkbar.

Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des BDN, empfand die geführte Diskussion als „sehr gut“. „Es war gut, dass wir das Thema nochmal aufgegriffen haben. Erneut wurde klar, wie schwierig die Diskussion ist. Auf der einen Seite ist das Emotionale, dass man am Papier hängt. Dann gibt es noch die technische Seite, was ist rein druckmäßig möglich und bezahlbar und ja, dann haben wir noch die Kosten und die Frage, wer das Produkt nutzen würde.“

Hinrich Jürgensen (Archivbild) Foto: Cornelius von Tiedemann

Jürgensen: mit Online-Zeitung etwas Einzigartiges Schaffen

Jürgensen ist überzeugt: „Es ist richtig, dass wir keine Entscheidung getroffen haben, sondern dass nun Zeit ist, mit konkreten Wünschen und Forderungen zu kommen.“

Doch bei wem liegt jetzt die Verantwortung, konkrete Pläne vorzulegen? Bei der AG der Nordschleswigschen Gemeinde, sagt Jürgensen. „In Zusammenarbeit mit dem ,Nordschleswiger' sollen sie klären, welche Vorstellungen und Bedürfnisse da sind – und ob das technisch und finanziell umsetzbar ist.“

Klar ist auch für Jürgensen: Von der derzeitigen Mannschaft in der Redaktion „Nordschleswigers" sollte kein Mitarbeiter für die Produktion einer Wochenzeitung abgezogen werden. Das würde demnach die Einstellung zusätzlicher Journalisten erfordern. „Wir wollen mit der Online-Zeitung etwas Einzigartiges schaffen, hier werden alle Kräfte benötigt. Wir haben hier die Chance, ein einzigartiges Produkt herzustellen und das müssen wir nutzen. Daher müsste das Geld für die Wochenzeitungs-Mitarbeiter in anderen Verbänden gefunden werden. Das kann man natürlich diskutieren, ob das gewünscht ist“, so der Hauptvorsitzende.

Zusammen mit dem Chefredakteur wird sich die AG Öffentlichkeitsarbeit nun hinsetzen, um konkret zu untersuchen, ob eine Wochenzeitung machbar – und bezahlbar – ist.

Alpen: Gut Details zu hören

„Das war gut, die Details zu hören. Ich bin dankbar, dass wir nochmal die Möglichkeit erhalten haben, unser Anliegen zu formulieren und zu besprechen. Und, dass wir uns nun nochmal zusammensetzen. Ich finde es wichtig, dass wir nochmal genau über Form und Inhalt sprechen“, sagt Matthias Alpen. „Wir können nun gemeinsam ausloten, was eine Wochenzeitung bedeuten würde und wie sinnvoll es wäre, sie zu produzieren.“

Gwyn Nissen habe gute Argumente geliefert, die man nun verstanden habe. Auch ihm sei daran gelegen, irgendwann mit dem Thema abschließen zu können und eine gute Lösung zu finden. Die Aussprache in dieser Woche sei ein guter Anfang gewesen, so Alpen.

Und wie geht es jetzt weiter? Die nächste Hauptvorstandssitzung ist im September, „ob bis dahin schon konkrete Vorschläge vorliegen, müssen wir abwarten“, sagt Hinrich Jürgensen. „Wichtig ist, dass wir alle wissen, wovon wir sprechen, was welche Lösung kostet und was konkret machbar ist. Dass wir die Diskussion irgendwann abschließen und Lösungen finden, mit denen wir alle gut leben können und wollen. Und zwar vor 2020“, so Jürgensen. „Ich hoffe, dass wir jetzt miteinander reden, anstatt uns abzukoppeln voneinander.“

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