Dota bei Folk-Baltica 2021

Musik-Festival in Dänemark ohne Maske – in Flensburg ohne Tanzen

Musik-Festival in Dänemark ohne Maske – in Flensburg ohne Tanzen

Konzerte in Dänemark ohne Maske – in Flensburg ohne Tanzen

SHZ
Flensburg
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Dota spielte am Freitagabend in der ausverkauften Bootshalle von Robbe & Berking. Foto: Marcus Dewanger/shz.de

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Nach zweieinhalbjähriger Zwangpause konnte das Festival wieder stattfinden – auch wenn Corona bei Konzerten auf deutscher Seite für Einschränkungen sorgte. Mittanzen und Mitsingen war beim Konzert von Dota nicht erlaubt.

Es kam spät, aber es kam. Und wie! Als Spätsommerfestival angekündigt, entwickelte sich Folk-Baltica nach fast zweieinhalbjähriger Zwangspause zum vielleicht emotionalsten Erlebnis in seiner Geschichte. Nach langer Durststrecke endlich wieder Live-Musik: Ein stilistisch bunter Reigen an elf Tagen, 15 Spielorte diesseits und jenseits der Grenze – mit Schwerpunkt in Flensburg. „Wir waren alle sehr gerührt“, gestand Harald Haugaard, künstlerischer Leiter des Festivals.

Die große Bootshalle der Robbe & Berking Werft stand mit drei umjubelten und ausverkauften Konzerten im Mittelpunkt des vergangenen Wochenendes. Ausverkauft mit gerade einmal 300 Gästen, die sich auf Duo-Plätzen niederließen in einem Raum, der sonst das Doppelte verträgt. Hier also waren (im Gegensatz zu den Lockerungen in Dänemark) die aktuellen Hygieneregeln deutlich spürbar.

Publikum darf nicht mitsingen

Zum Leidwesen von Dota, die bei ihrem Auftritt bedauerte, dass das Publikum weder tanzen noch mitsingen durfte. Dafür gönnte sie, angetrieben vor ihrer gleichnamigen Band, ihrem Bewegungsdrang freien Lauf, ließ vor einem grandiosen Bühnenbild mit einem sternengesprenkelten Firmament die Arme fliegen wie Flügel, drehte Pirouetten.

„Eine ganz andere Dota", wunderte sich ein langjähriger Fan. In der Tat serviert die Liedermacherin auf ihrem neuen Album „Wir rufen dich, Galaktika“ ungewohnten Elektro-Pop, garniert mit Soundhäppchen aus dem Universum, aber mit gewohnt klugen wie engagierten Texten, etwa zur Pandemie oder Klimakrise.

Probleme mit der Akustik

Allein die Akustik wollte bei dem Konzert nicht mitspielen. Das Problem bekamen die Tontechniker bei den nachfolgenden Auftritt von „Curly Strings“ aus Estland (Haugaard: „Die ganz große Überraschung“) sowie bei der Premiere des Grenzenlos-Ensembles am Sonntag besser in den Griff.

Bootshalle bleibt Hauptspielort

Die Bootshalle ist und bleibt für die Festival-Gestalter wichtiger Bestandteil; sie wird in den nächsten drei Jahren Hauptspielort sein. „Tradition und Moderne fügen sich hier zu einer Einheit, ähnlich unserem Programm“, sagt Haugaard. „So etwas ist in keinem Konzertsaal möglich.“ Dafür aber stimmte die Akustik im Sonderburger Alsion, in dem das großartige Eröffnungskonzert mit 120 Mitwirkenden über die Bühne ging – ohne Abstand und Maske.

Aus Corona viel gelernt

Harald Haugaard, trotz aller Strapazen entspannt wirkend, betont, dass die Herausforderung groß gewesen sei, das Folk-Ereignis so kurzfristig überhaupt auf die Beine zu stellen. „Wir brauchen Kontinuität, die war durchbrochen worden.“ Die Organisatoren hätten durch Corona viel gelernt, Flexibilität und Kreativität an den Tag gelegt. Sein Lob geht in diesem Kontext an die Festival-Leiterinnen Nele Spitzley und Elisabeth Kose sowie die vielen Ehrenamtlichen – „ohne sie geht nichts!“.

Besonders aber freut ihn, dass das Publikum zurückgekehrt ist, Vertrauen in das neue Konzept bewiesen „und alles ohne Drama mitgemacht hat“. Alle Einschränkungen seien ohnehin vergessen, „sobald die Musik spielt“. Die Pandemie – eine sehr harte Zeit für die Künstler und Künstlerinnen. „Nun gab es Tage voller Lachen und Tränen.“ Getreu dem Motto des Festivals: Musik ist Leben. Und man habe erneut gesehen, wie wichtig Kultur und Musik für die Menschen seien: „Das schafft Identität und Gemeinschaft.“

Vom 19. bis 21. November finden die Herbstkonzerte mit dem Folk-Baltica-Ensemble und Gästen in Flensburg, Husum und Gravenstein statt. Folk Baltica 2022 ist terminiert vom 6. bis 15. Mai.

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