Umwelt

Kampfansage an Lebensmittel-Verschwendung in Dänemark

Kampfansage an Lebensmittel-Verschwendung in Dänemark

Kampfansage an Lebensmittel-Verschwendung in Dänemark

Dirk Thöming
Kopenhagen/Esbjerg
Zuletzt aktualisiert um:
Der Einzelhandel ist nach den Verbrauchern der zweitgrößte Vernichter von Lebensmitteln in Dänemark. Foto: Johan Gadegaard/Ritzau Scanpix

Die Sozialdemokraten präsentieren vor der Folketingswahl eine neue Initiative, die die Lebensmittel-Vernichtung in Supermärkten eindämmen soll.

Sieben Tage vor der Folketingswahl am kommenden Mittwoch präsentierten die dänischen Sozialdemokraten gestern einen neuen Plan gegen Lebensmittel-Verschwendung in dänischen Supermärkten, schreibt die Nachrichtenagentur Ritzau.

Die Partei will – im Falle eines Wahlsieges – zuerst mit dem Einzelhandel ein Ziel der Reduzierung festlegen.
Wenn die Branche dann dieses selbst festgelegte Ziel verfehle, solle es ein Gesetz geben, das die Vermeidung von Lebensmittel-Verschwendung zum Inhalt hat.

Konkret geht es um abgelaufene Lebensmittel, die einfach in den Müll geworfen werden.

„Es ist auch möglich, dass das Gesetz Bestimmungen enthalten wird, nach denen die Waren nicht weggeworfen werden, sondern als Bio-Brennstoff weiterverwendet werden, als Tierfutter oder aber, dass sie wohltätigen Institutionen zugeführt werden“, sagt der ehemalige EU-Umweltpolitiker und stellvertretende Sprecher der Sozialdemokraten, Dan Jørgensen.

Drei Handlungsvorschläge gibt es: Erstens sollen Mehrwertsteuer-Regeln, die es dem Einzelhandel erschweren, die Lebensmittel zu spenden, geändert werden. Dies sei nach Branchen-Angaben aber bisher an EU-Direktiven gescheitert, schreibt Ritzau.
Zweitens sollen freiwillige Organisationen, die sich um die Sache kümmern, Unterstützung bekommen. „Es kann sein, dass dafür größere Ressourcen nötig sind, und das werden wir uns ansehen“, so Dan Jørgensen. Konkrete Summen würden aber noch nicht genannt.
Drittens sollen gemeinsam mit den Supermärkten Initiativen innerhalb der Läden entwickelt werden.

Infrastruktur muss besser werden

Selina Juul von der Organisation „Stopp der Lebensmittel-Verwendung“, Stop Spild af Mad, wendet sich gegen Verbote und Zwang. Mit der jetzigen Infrastruktur sei es Verteiler-Organisationen gar nicht möglich, mehr Lebensmittel abzunehmen. Es wohltätigen Einrichtungen einfach zu geben würde das Problem, wie in Frankreich geschehen, nur verlagern. „Die wohltätigen Einrichtungen sind es dann, die die Lebensmittel wegwerfen, statt dass es im Laden geschieht“, so Selina Juul. Sie schlägt die Gründung eines Lebensmittel-Fonds zur Stärkung der Organisationen, die abgelaufene Lebensmittel weiter vermitteln, vor. „Es kann nicht sein, dass diese Arbeit ausschließlich ehrenamtlichem Einsatz überlassen wird“, sagt sie.

Frühstück für die Kinder

Laut einer Mitteilung der Gewerkschaft 3 F versorgt darüber hinaus eine Kopenhagener Organisation, die Lebensmittel-Bank (Fødevare-Banken), 24 Schulen im Land, überwiegend um Kopenhagen, morgens mit überschüssigen Frühstücksprodukten.
Die Frischwaren stammen nicht vom Einzelhandel, sondern von den Großhändlern, falls sie beim Einkauf falsch disponiert haben. Zwei der Schulen liegen in der Kommune Esbjerg. Es gehe darum, Kindern ein Frühstück zu ermöglichen. Die Waren werden im Kühl-Transporter angeliefert. „Die Lebensmittel sind gratis. Für den Transport müssen die Schulen jährlich 10.000 Kronen selbst aufwenden“, heißt es.

750.000 Tonnen jährlich

  • In Dänemark werden jährlich etwa 715.000 Tonnen Lebensmittel vernichtet. (Quelle: Danmarks Statistik, Stand 2015).
  • 36 Prozent davon landen in privaten Haushalten im Müll, 23 Prozent im Einzelhandel.
  • Die „Lebensmittel-Bank“ in Kopenhagen versorgte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 24 Schulen mit zusammen 1.080 Tonnen abgelaufenen Frischeprodukten.

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