Übung für den Ernstfall

Was fehlte, war der Rettungshubschrauber

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Apenrade/Aabenraa
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Die Feuerwehrleute sind am Unfallort eingetroffen. Foto: Karin Riggelsen

In Apenrade wurde am Donnerstag der Katastrophenfall fingiert. Auf dem Parkplatz des Krankenhauses wurden etliche „Opfer eines schweres Verkehrsunfalls“ versorgt. Denn die Abläufe müssen im Ernstfall stimmen.

Stellen Sie sich vor: Ein Kleinbus gerät auf der Autobahn beim Überholen ins Schleudern. Er rammt einen Lkw und bleibt quer stehen. Ein Pkw nähert sich mit hoher Geschwindigkeit und wird in den Unfall verwickelt.

Ein weiterer Kleinbus endet beim Versuch, das Hindernis zu umfahren, an der Leitplanke und kippt auf die Seite. Dieser zweite Bus ist voller Jugendlicher, die aus den Skiferien auf dem Weg nach Hause sind. Nicht alle am Unfall Beteiligten überleben.

Geübt wurde am Krankenhaus hinter dem Parkhaus. Hier befreien Bereitschaft und Feuerwehr eine Person aus einem Pkw. Foto: Karin Riggelsen

So oder so ähnlich könnte sich ein schwerer Unfall auf der E45 abspielen. Doch dieses Szenario war – zum Glück – nur ausgedacht. Denn am Donnerstagnachmittag wurde am Apenrader Krankenhaus für den Ernstfall geübt. Der Parkplatz hinterm Parkhaus diente als „Unfallort“.

Beteiligt waren die Feuerwehren aus Apenrade, die Polizei, Ärzte, Krankenhauspersonal und 27 Wehrdienstleistende, als Statisten. Wer fehlte, war eigentlich nur der Rettungshubschrauber.

Die eingetroffenen Ärzte verschaffen sich einen Überblick. Anders Thorøe wurde aus dem Wagen geschleudert. Foto: Karin Riggelsen

Seit 15 Uhr waren unter Anleitung eines Statistenkoordinators „Opfer“ und „Patienten“ instruiert und geschminkt worden. Krisenhilfe vom psychosozialen Stab war vor Ort und wurde vorbereitet.

Und so positionierten sich dann zwölf Verunglückte gegen 17 Uhr in und um die Fahrzeuge. Alle mit Helm. Ist das denn realistisch? Anders Thorøe, einer schwer Verunglückter, der aus dem Fahrzeug geschleudert worden ist: „Das ist einfach zu unserer Sicherheit.“

Es sieht erheblich schlimmer aus, als es ist: Die letzten „Verunglückten“ im Bus. Foto: Karin Riggelsen

Alle bekamen vor der Übung noch ein Sandwich in die Hand und ein Getränk, denn, so Janne Stenstrop vom Krankenhaus: „Das dauert, bis die wieder was zu essen bekommen.“ Klar, erst müssen sie gefunden, dann aus den Fahrzeugen befreit und schließlich behandelt werden.

Im Ernstfall müssen die Abläufe stimmen

Um 17 Uhr ist es so weit. Ein „Notruf“ geht bei der Alarmzentrale ein: „Übung, Übung, Übung! Unfall mit etlichen Verunglückten auf der Autobahn, Ausfahrt 70“, ruft Claus Lunding ins Telefon. Zeit vergeht, er wird mit der nächsten – echten – Instanz verbunden. Auch hier kündigt er an „Übung, Übung, Übung!“, bevor er seinen Notruf abgibt.

Nach einer Viertelstunde trifft der Notarzt ein und sieht sich die Fahrzeuge an. Fünf Minuten später ist der Einsatzleiter der Feuerwehr vor Ort. Ein Mitarbeiter der akuten medizinischen Koordinierung AMK (bei ihnen liegt die Verantwortung für Patienten, die über die Notrufnummer 112 gemeldet werden) leitet um 17.26 Uhr seine Meldung an das Krankenhaus, die Polizei kommt hinzu.

Feuerwehrleute unter sich: Holger Andersen (l.) mit einem Kollegen Foto: Karin Riggelsen

Die Krisenhilfe hilft den 17 Patienten, die auf eigenen Beinen stehen, die anderen werden, sobald befreit, in die Ambulanzen gefrachtet. Anders Thorøe etwa, der vor dem Fahrzeug lag, wird an der offenen Wunde behandelt und in Folie gepackt. Die Feuerwehr schneidet die Tür eines Busses auf, um an die dortigen Verunglückten zu gelangen.

Etwas abseits beobachtet Übungsleiter Holger Andersen von der Feuerwehr aus Hadersleben das Geschehen. „Ich bin so weit zufrieden mit dem Ablauf. Aber so etwas ist schwer zu planen. Wir machen das unter anderem für die Leitung, dass wir den Feuerwehreinsatz mit der Bereitschaft koordinieren.“

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