Grenzüberschreitendes

„Viele wissen einfach zu wenig über die Geschichte“

„Viele wissen einfach zu wenig über die Geschichte“

„Viele wissen einfach zu wenig über die Geschichte“

Sonderburg/Sønderborg
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Thore Naujeck
Von links: Alexander Kristensen, Leonard Rohmoser, Simon Bull, Tjark Jessen und Thore Naujeck Foto: Cornelius von Tiedemann

Nahverkehrs-Frust und endloses Nachfüllen historischer Wissenslücken: Was junge politisch Aktive im Grenzland im Jahr 2020 beschäftigt, wurde auf der Jubiläumsveranstaltung zu 100 Jahren „GrenzNähe“ der SPD-Fraktion Schleswig-Holstein deutlich.

Es waren nicht nur des Wochentages wegen keine typischen Sonntagsreden, die am Mittwoch im Sonderburger Alsion gehalten wurden. Bei der Jubiläumsveranstaltung „100 Jahre GrenzNähe“, zu der die SPD-Fraktion Schleswig-Holstein geladen hatte, wurden auch Probleme und Herausforderungen im Grenzland im Jahre 2020 angesprochen.

Keine rosarote Brille auf der Nase

„Manchmal hat man ja die rosarote Brille auf“, sagte zum Beispiel Thore Naujeck, Koordinator des Bundes Deutscher Nordschleswiger, der Dachorganisation der deutschen Minderheit in Dänemark, als gegen Ende des Abends junge, politisch Aktive aus den Minderheiten und den sozialdemokratischen Parteien des Grenzlandes das Wort erhielten.

„Aber wenn man mit den jungen Leuten hier spricht, ist das Thema immer wieder der Transport“, so Naujeck an dem Tag, an dem bekannt wurde, dass die Flensburger Stadtbusse nicht mehr nach Dänemark fahren sollen.

„Es ist unheimlich schwer, von Schleswig nach Sonderburg zu kommen“, stimmte ihm der Jungsozialist Leonard Rohrmoser aus Schleswig zu. Und dadurch gebe es dann naturgemäß auch große Herausforderungen beim grenzüberschreitenden Austausch.

„Wenn die jungen Leute immer grüner denken, ist das ein echtes Problem“, so Naujeck weiter. „Da gibt es also genug zu tun!“

Mehr Angebote für junge Leute gefragt

Nicht genug zu tun gebe es hingegen in mancher anderer Hinsicht für junge Leute zwischen Nord-Ostsee-Kanal und Königsau. Alexander Kristensen, Vorsitzender der Sozialdemokratischen Jugend in Südjütland, sagte, dass in den Orten im Grenzland unbedingt mehr Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden müssten, um Abwanderung zu verhindern.

„Die Region attraktiv zu machen, ist das Wichtigste“, fand auch Tjark Jessen von der SSW-Jugend in Südschleswig.

Wichtig war den jungen Männern (es gebe durchaus auch engagierte junge Frauen, die hätten aber keine Zeit gehabt, wurde versichert) auch, wie die Minderheiten öffentlich wahrgenommen werden. „Wir wünschen uns noch mehr Anerkennung in der Mehrheitsbevölkerung“, sagte Naujeck. „Viele wissen gar nicht, wie das alles zusammenhängt. Daran liegt auch vieles in der Diskussion über die Ortsschilder, das viele einfach zu wenig über die Minderheiten und auch über die eigene Geschichte wissen.“

Und zu der gehört auch die Annäherung zwischen dänischer und deutscher Minderheit im Laufe der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. „So eine enge Verbindung hat es früher nicht gegeben“, sagte Tjark Jessen und Alexander Kristensen wünschte sich, dass ein „Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Deutschen und Dänen“ entstehen könne.

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