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Alternative zum Gottesdienst: Podcast aus dem Pastorat

Alternative zum Gottesdienst: Podcast aus dem Pastorat

Alternative zum Gottesdienst: Podcast aus dem Pastorat

Tingleff/Tinglev
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Achtung Aufnahme! Astrid Cramer-Kausch und Sohn Jesse im Podcast-Studie des Tingleffer Pastorats. Foto: Karin Riggelsen

Tingleffs Pastorin Astrid Cramer-Kausch und Kollege Martin Witte aus Süder Wilstrup kommen ihren Schäfchen trotz Kontaktsperre nahe. In der Corona-Krise produzieren sie Podcasts, die als eine Art akustischer Gottesdienst im Internet abrufbar sind. Den Fachmann für die Technik hat Initiatorin Astrid Cramer-Kausch im Hause.

Corona-Krise, Kontaktsperre, Versammlungsverbot. Das bedeutet unter anderem auch: keine Gottesdienste. Für Astrid Cramer-Kausch, die sich die Pastorenstelle im Pfarrbezirk Tingleff mit ihrem Mann Ole Cramer teilt, eine bedauernswerte Situation.

Sie ergriff die Initiative und regte das Produzieren von Tonbeiträgen an, sogenannte Podcasts, die über die Homepage der Nordschleswigschen Gemeinde abzurufen sind.

Zwei Versionen dieser Form eines akustischen Gottesdienstes sind bereits erstellt worden. „Es kann einen richtigen Gottesdienst nicht ersetzen, es ist aber eine gute Möglichkeit, Worte, Gedanken, Musik und Gebete mit vertrauten Stimmen zu überbringen“, so Astrid Cramer-Kausch.

Von der Idee war der Süder Wilstruper Kollege Martin Witte angetan. Er schloss sich dem Projekt an. Im Tingleffer Pastorat wird zu bestimmten Zeiten nun eingesprochen, eingesungen und mit Musik ergänzt. Für musikalische Klänge haben Martin Witte und Silke Schultz gesorgt.

Dass Astrid Cramer-Kausch das Podcast-Projekt ins Leben gerufen hat, kommt nicht von ungefähr. Während ihrer Ausbildung zur Pastorin hat sie mal ein Praktikum beim Radio gemacht, wo unter anderem auch kirchliche Sendungen produziert wurden.

Sohn als Produktionsleiter

Und dann hat sie auch einen Fachmann für die technische Umsetzung an der Hand: Sohn Jesse. Er ist im dritten Jahrgang am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig, hat Musik als Schwerpunktfach und kennt sich mit Tontechnik und Podcast sehr gut aus.

Das Erstellen eines Podcasts erfordert Ruhe und Konzentration. Foto: Karin Riggelsen

Jesse ist quasi der Produktionsleiter in der zum Tonstudio umfunktionierten Konfirmandenstube und hat auch selbst geschriebene Gitarrenstücke beigesteuert.

Der Bitte der Mama, beim Projekt zu helfen, sei er gerne nachgekommen. Es sei kein Zwang gewesen. Er helfe gerne, betont Jesse mit einem Schmunzeln.

„Ich habe ja das Equipment und befasse mich gerne damit. Ich lerne auch etwas dazu“, so Jesse, während er auf dem Laptop gerade ein Türklingeln von einer Aufnahme entfernt, das der Mitarbeiter des „Nordschleswigers“ kurz zuvor ausgelöst hatte. Astrid Cramer-Kausch hatte da gerade für die neueste Gottesdienstversion eingesprochen.

Mit einfachen Mitteln viele erreichen

Die Podcasts werden mit recht einfachen Bordmitteln produziert. Einen professionellen Anspruch erhebe man nicht, so die Pastorin. Man versuche, die Versionen so gut wie möglich zu erstellen. Es gehe vorrangig darum, die Menschen „draußen“ zu erreichen und die Möglichkeit zu geben, Worte des Glaubens in vertonter Form mitverfolgen zu können und dabei in sich zu gehen. Wann, bestimmt jeder selbst.

Ein Podcast will gut vorbereitet sein. Ein Manuskript mit Stichworten ist für Astrid Cramer-Kausch ein wichtiges Hilfsmittel. Foto: Karin Riggelsen

„Uns schwebt vor, die Podcasts immer zum Freitag fertigzustellen, sodass sie am Wochenende auf der Homepage vorliegen“, erwähnt Astrid Cramer-Kausch. „Wir haben auch überlegt, wie man die Podcasts anders gestalten könnte und dass es vielleicht ganz anregend ist, andere aus der Gemeinde zu Wort kommen zu lassen“, so die Pastorin.

Ein erstes positives Feedback habe sie bereits erhalten. „Eine ältere Dame rief mich an und erzählte mir, dass sie ihren Computer für das Abspielen eingerichtet und den Beitrag gerne angehört hat“, erwähnt Astrid Cramer-Kausch.

Alle dürfen lauschen

Zu finden sind die bisherigen Ausgaben auf der Internetseite der Nordschleswigschen Gemeinde unter den Rubriken Tingleff und Süder Wilstrup. Die Podcasts richten sich aber nicht nur an die Gemeindeglieder dieser beiden Pfarrbezirke. „Wenn auch andere sich die Podcasts anhören, würde uns das sehr freuen“, betont die Tingleffer Pastorin.

Natürlich wird auch zu Ostern ein Podcast herausgegeben. Astrid Cramer-Kausch und ihr Mann Ole wenden sich zur Osterzeit auch auf eine herkömmliche Art an ihre Schäfchen.

„Wir haben einen Oster-Gottesdienst-Brief verfasst“, berichtet die Tingleffer Pastorin. Briefe sind von ihrem Mann Ole beim Spazierengehen mit Hund Hugo und vom Kirchenältesten Albert Callesen auf dem Fahrrad überbracht worden.

Weitere Briefe werden per Post verschickt. Ostern soll in Zeiten der Kontaktsperre halt nicht ohne Gottesdienst ablaufen, ob nun als Brief oder als Podcast.

Sind ein eingespieltes Podcast-Team: Astrid Cramer-Kausch und Sohn Jesse. Foto: Karin Riggelsen
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