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Neun von zehn tödlichen Arbeitsunfällen treffen Männer

Neun von zehn tödlichen Arbeitsunfällen treffen Männer

Neun von zehn tödlichen Arbeitsunfällen treffen Männer

cvt
Kopenhagen
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Bauarbeiter
Foto: dpa

Von 219 bei Arbeitsunfällen Umgekommenen in den vergangenen fünf Jahren waren 200 Männer. Sie arbeiten in den gefährlicheren Branchen und gehen höhere Risiken ein, so die Erklärung.

Von 219 bei Arbeitsunfällen Umgekommenen in den vergangenen fünf Jahren waren 200 Männer. Sie arbeiten in den gefährlicheren Branchen und gehen höhere Risiken ein, so die Erklärung.

Bei Unfällen während der Arbeitszeit sind es meistens Männer, die den höchsten Preis zahlen und das Leben verlieren. Das berichtet Avisen.dk.

Von 2010 bis 2015 sind 219 Menschen in Dänemark bei Arbeitsunfällen gestorben. Avisen.dk hat die Daten der Arbeitsaufsicht analysiert und nach Geschlecht sortiert. Das Ergebnis: Von den 219 Toten waren 200 Männer, bei vier Fällen war kein Geschlecht angegeben, 15 Frauen sind umgekommen. Das entspricht einem Anteil an Männern von 91 Prozent.

„In den typischen Männer-Branchen passieren einfach mehr Unfälle. Zum Beispiel im Baugewerbe, der Fischerei und der Landwirtschaft, die besonders gefährliche Branchen sind“, sagt der Arbeitsmarktforscher Ole Gunni Busck von der Uni Aalborg Avisen.dk.

Bei den schweren Arbeitsunfällen sind die Unterschiede geringer. Dort sind rund 60 Prozent der Betroffenen Männer, 40 Prozent sind weiblich. Insgesamt gibt es jährlich rund 5.000 solcher „schweren“ Arbeitsunfälle ohne Todesfolge.

Männer leiden unter dem „Tarzan-Syndrom“

Weshalb es einen solch großen Unterschied gibt, weshalb also viele Frauen schwer verunglücken und nur vergleichsweise wenige umkommen, kann Busck nicht mit Sicherheit sagen. Doch dass Männer häufiger ums Leben kommen, sei ein bekanntes Phänomen. In der Arbeitsumfeldforschung, berichtet er, sei der unwissenschaftliche Ausdruck vom „Tarzan-Syndrom“ ein gängiger Begriff dafür.

„Das Tarzan-Syndrom umschreibt, dass Männer mögliche Gefahrensignale nicht beachten und auch nicht so auf ihren Körper hören, wie Frauen dies tun. Sie wagen sich vielleicht etwas öfter an Dinge heran, die ihre Fähigkeiten übersteigen und hoffen, davonzukommen“, so Busck.

Christina Sode Haslund vom Dachverband der dänischen Arbeitgeber, Dansk Arbejdsgiverforening, meint, dass die Statistik Abbild der immer noch sehr starken Rollenverteilung auf dem dänischen Arbeitsmarkt sei. „In weit überwiegendem Maße arbeiten Männer in den Branchen, in denen die gefährlichste Arbeit verrichtet wird. Aus den Zahlen lässt sich deshalb nicht ablesen, dass es an sich gefährlicher ist, Mann zu sein, wenn die gleiche Arbeit verrichtet wird“, sagt sie.

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Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Einseitige Grenzöffnung“