Arbeitsmarkt

Schäden nach Arbeitsunfall immer seltener anerkannt

Schäden nach Arbeitsunfall immer seltener anerkannt

Schäden nach Arbeitsunfall immer seltener anerkannt

Kopenhagen
Zuletzt aktualisiert um:
Jens Nielsen
Jens Nielsen Foto: FOA

Viele Anzeigen fallen unter den Tisch. Die Gewerkschaft FOA kritisiert allzu häufige Einstufung als Bagatellfall.

Viele Anzeigen fallen unter den Tisch. Die Gewerkschaft FOA kritisiert allzu häufige Einstufung als Bagatellfall.

In den vergangenen Jahren wurde intensiv über vorbeugenden Einsatz der Behörden zur Verhinderung von Arbeitsunfällen, Gefahren für Mitarbeiter durch psychisch kranke Klienten oder steigende Erkrankungszahlen durch erhöhten psychischen Arbeitsdruck diskutiert. Doch wenn es um die Anerkennung von Schäden und Schadenersatz nach Arbeitsunfällen geht, stehen die Betroffenen oft mit leeren Händen da.

Der gewerkschaftsnahe Informationsdienst A4 berichtet, dass in Dänemark von den angezeigten Arbeitsunfällen nur jeder zweite zu einer Anerkennung der Folgeschäden geführt hat. Auffällig sei, dass seit 2013 die Quote der Anerkennungen drastisch gesunken ist. Ausschlaggebend soll sein, dass immer mehr angezeigte Fälle Fälle als Bagatellen abgetan werden. 2013 war eine Bagatellgrenze eingeführt worden. Das belegen auch Zahlen der zuständigen Einrichtung „Arbejdmarkedets Erhverssikring“.

Diese Entwicklung widerspricht nach Ansicht von Gewerkschaftsvertretern klar der Intention der Reform der Entschädigungen für Arbeitsunfällen im Jahre 2003. Anschließend gab es für 80 Prozent der Anzeigen nach Arbeitsschäden eine Anerkennung. Ausgelöst habe die Änderung ein Urteil des Höchstgerichts im Jahre 2013, so Birgitte Kamstrup Kragelund, Abteilungsleiterin bei Arbejdsmarkedets Erhverssikring.

Das Gericht hatte entschieden, dass ein Lehrer, dem von einem Schüler Fußtritte versetzt worden sind, nur dann noch eine Entschädigung zuerkannt werden darf, wenn dieser Spätfolgen der Körperverletzung nachweisen kann.

„Das belastet unsere Mitglieder psychisch sehr stark“

Jens Nielsen, der zuständige Sekretär der Gewerkschaft FOA, in der viele Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes organisiert sind, kritisiert, dass vor allem psychische Belastungen aufgrund oft wiederkehrender Arbeitsschäden als Bagatellen abgetan werden. So hätten Mitarbeiterinnen in Behinderteneinrichtungen damit zu kämpfen, dass Klienten ihnen – ohne böse Absicht – beim Ankleiden Fußtritte verabreichten, mit schmerzhaften Folgen. Belastende Vorkommnisse ähnlicher Art erlebten viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bildungsstätten, sonderpädagogischen Einrichtungen oder auch in der Altenbetreuung und in Krankenhäusern.

„Das belastet unsere Mitglieder psychisch sehr stark“, so Jens Nielsen und erinnert an besonders schwierige Arbeitsbedingungen in Einrichtungen für psychisch erkrankte oder demente Menschen.
Im Verband der Lehrer nennt es die juristische Mitarbeiterin Camilla Bengtson beleidigend, dass Lehrer nach Übergriffen durch Schüler durchweg keine Entschädigungen bekommen können.
Interessant ist, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Gewalttaten an Arbeitsplätzen bei der Polizei angezeigt werden. Möglicherweise eine Reaktion auf die Linie, bei der Anerkennung von Arbeitsschäden leer auszugehen.

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