Lebenshaltungskosten

Dänische Windräder entscheiden nicht über den Energiepreis

Dänische Windräder entscheiden nicht über den Energiepreis

Dänische Windräder entscheiden nicht über den Energiepreis

Apenrade/Aabenraa
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Die zuletzt stark gestiegenen Energiekosten haben globale Ursachen. Trotz zahlreicher Windräder wird der Preis für Energie auch in Dänemark nicht durch die Windräder vor Ort bestimmt. Foto: Ute Levisen

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In den vergangenen Wochen wurde immer wieder von stark steigenden Energiepreisen berichtet. Die Ursachen sind globaler Natur. Dabei sind nicht alle Verbraucherinnen und Verbraucher gleichermaßen betroffen. Genaues Hingucken kann deshalb bares Geld sparen.

In den vergangenen Wochen wurde immer wieder von stark steigenden Energiepreisen berichtet, mancherorts war sogar von Preissteigerungen von 185 Prozent die Rede. Die Regierung und das Folketing wollen handeln und Geld für besonders Betroffene absetzen.

Doch was bedeutet das für Nordschleswig?

Jede Energieform unterschiedlich stark von Preisschwankungen beeinflusst

Das kommt darauf an. Denn jede Energieform ist in unterschiedlichem Maße Preisschwankungen ausgesetzt. Mit anderen Worten hängt die Preisentwicklung nicht nur von der Wahl der Energieform auf Verbraucherseite ab, sondern definiert sich auch über die Energieform, über die der Lieferant seine Energie erzeugt bzw. bezieht.

Deshalb erleben auch nicht alle Verbraucherinnen und Verbraucher dieselben Preissteigerungen. Vor allem Fernwärmekundinnen und -kunden in Nordschleswig können aufatmen, da die Werke nicht auf Gas als Energielieferant zur Wärmeerzeugung setzen. Hier sind die Preise zuletzt regelrecht explodiert, doch auch für Strom sind sie nach oben gegangen.

4,5 Prozent der gesamten Wohnmasse mit Wärmepumpen beheizt. 6,1 Prozent heizen elektrisch. 10,3 Prozent beziehen ihre Wärme noch aus Öl, Naturgas nutzen 17,9 Prozent. Den meisten Haushalte nutzen allerdings Fernwärme, deren Anteil 55 Prozent ausmacht.

Danmarks Statistik

Übersichtsportal für Stromkosten

Für den Stromverbrauch gibt das Portal elpris.dk, hinter dem die Behörde für Versorgungsaufsicht (Forsyningstilsynet) steht, einen Überblick. Das Portal vergleicht die Preise aller verfügbaren Anbieter.

Dabei können Nutzerinnen und Nutzer zwischen einem variablen Preis und einem Festpreis wählen. Letzteres ist typischerweise mit einer längeren Vertragslaufzeit verbunden. Auch ist zu sehen, zu wieviel Prozent der Anbieter seinen Strom aus regenerativen Energiequellen bezieht.

Bei „Wohnung bis 80 m2“ veranschlagt das Portal zum Beispiel einen Verbrauch von etwa 2.000 Kilowattstunden. Tippt man dann noch die Postleitzahl für Apenrade (Aabenraa) ein, werden 164 Produkte angezeigt.

Teufel steckt im Detail

Doch der Teufel steckt oft im Detail. Entscheidet man sich beispielsweise für den günstigsten Anbieter, bei dessen Angebot es sich nicht um einen besonders günstigen Einführungspreis handelt, sind andere Bedingungen an das Angebot geknüpft, beispielsweise die gleichzeitige Mitgliedschaft in der Versicherungssparte desselben Anbieters.

Manche Unternehmen operieren ohne Abonnement, haben dafür jedoch einen höheren Kilowattpreis. Ein anderer Anbieter fordert eine Bindungsperiode von 36 Monaten. Das kann zwar von Vorteil sein, wenn die Preise weiter steigen sollten – allerdings profitiert man dann auf absehbare Zeit nicht von möglichen Preissenkungen. Wer mehr Flexibilität will, für den steigen die Kosten bereits um 20 Øre pro Kilowattstunde.

Verunsicherte Kunden

Beim landesweit operierenden Energieanbieter Norlys, der sowohl Strom als auch Gas anbietet, erlebt man laut Direktor Mads Brøgger derzeit viele Kundenanfragen von verunsicherten Verbrauchern. Einige von ihnen stehen mit einer wesentlich höheren Rechnung in der Hand dar, als sie es normalerweise gewöhnt sind. Das gilt insbesondere für Gaskunden, doch auch Stromkunden können spürbare Preissteigerungen erleben, sofern sie einen hohen Verbrauch haben.

Es sind nicht die dänischen Windräder, die den Preis bestimmen, sondern die internationalen Energiebörsen, an denen Energie gehandelt wird und die damit über die Höhe der dänischen Energierechnungen entscheiden.

Mads Brøgger, Norlys

Allerdings blühen den Stromkonzernen keine höheren Gewinne als bisher durch die steigenden Preise, wie Mads Brøgger betont. Denn die kommen nicht bei ihnen zustande – sondern liegen an den höheren Einkaufspreisen. Die Energieversorger geben diese Kosten also an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiter. Das folgende Beispiel veranschaulicht dies.

Deshalb sind die Preise gestiegen

Wenn ein großer Energielieferant wie Norlys Strom einkauft, dann geschieht das an der Strombörse, an der sich der aktuelle Preis aus Angebot und Nachfrage bildet.

„Es ist wichtig sich klarzumachen, dass Dänemark im Guten wie im Schlechten Teil des europäischen Energiesystems ist. Deshalb sind es nicht die dänischen Windräder, die den Preis bestimmen, sondern die internationalen Energiebörsen, an denen Energie gehandelt wird und die damit über die Höhe der dänischen Energierechnungen entscheiden. Und dabei spielen eine Reihe von internationalen Faktoren eine Rolle“ sagt Mads Brøgger.

Flüssiggas ging nach Asien statt nach Europa

Ein Beispiel hierfür sind die Lieferungen von flüssigem Naturgas, das von den USA normalerweise in großen Mengen nach Europa verkauft wird. Dieses Gas wird per Schiff angeliefert und über den Sommer eingelagert, so dass es dann in ausreichender Menge während des Winters zur Verfügung steht.

Zuletzt kam jedoch wesentlich weniger Flüssiggas aus den USA nach Europa. Hintergrund hierfür waren ein sehr warmen Sommer in China, der dort die Nachfrage nach Flüssiggas zum Kühlen hat explodieren lassen, und ein stark gestiegener Verbrauch in der Industrie aufgrund von Corona. Beides hat dazu geführt, dass Asien wesentlich mehr Gas als üblich gekauft hat. Und da die asiatischen Länder bereit waren, mehr als die EU zu bezahlen, sind die Preise in die Höhe geschnellt.

Dass zeitgleich auch noch eine Reihe anderer Faktoren hinzugekommen sind, wie unter anderem wenig Wind und gedrosselte Gaslieferungen aus Russland, ist nach Ansicht von Mads Brøgger sehr großes Pech. Dies habe schließlich zu den markanten Preissteigerungen geführt.

Ursachen für den Preisanstieg bei Energie

  • Die Windräder wurden in jüngster Zeit in ganz Europa von zu wenig Wind angetrieben, was zu weniger nachhaltiger Energie geführt hat.
  • Die Bäche in Norwegen haben nicht genügend Wasser geführt und damit nicht ausreichend Wasser zur Energieerzeugung in den Wasserkraftwerken geliefert.
  • Als Ersatz für den Ausfall der nachhaltigen Energiequellen treten Kohle und Gas für die europäische Stromerzeugung.
  • In Deutschland läuft die Nutzung der Atomenergie aus, und zusammen mit Frankreich haben beide Länder ihre Kohleförderung zurückgefahren.
  • Die Wirtschaft in Europa ist nach der ersten Corona-Welle schneller als erwartet wieder auf Trab gekommen, wodurch die Nachfrage nach Energie stark angestiegen ist.
  • Zeitgleich waren die Lagerhaltungen für Naturgas europaweit auf einem historisch niedrigen Stand, was zu Bekümmerungen bei der Versorgungssicherheit geführt hat.
  • Flüssiges Naturgas wurde in höherem Maße als erwartet nach Asien anstatt nach Europa transportiert, da so ein höherer Preis erzielt werden konnte.
  • Russland hat seine Gaslieferungen gedrosselt. Als Hintergrund gelten die Konflikte in der Ukraine und Kasachstan.
  • Das Thyrafeld in der Nordsee wird derzeit renoviert und kann deshalb kein Gas liefern.

Quelle: Norlys

Kommerzielle Anteil des Strompreises nimmt zu

Die gestiegenen Kosten für die Energiebeschaffung aufseiten der Energielieferanten hat wiederum dazu geführt, dass der Anteil des kommerziellen Teils des Strompreises zugenommen hat. Entfielen im vergangenen Jahr nur etwa um die 20 Prozent des Strompreises, den die Verbraucher schlussendlich bezahlen, auf den eigentlichen Energieanteil, ist dieser Anteil aktuell auf rund 50 Prozent gestiegen.

Und nur dieser Teil unterliegt dem freien Markt aus Angebot und Nachfrage und ist somit variabel. Die restlichen 50 Prozent entfallen auf Steuern und Abgaben.

Letztere steigen jedoch nicht proportional zum kommerziellen Anteil des Energiepreises, weshalb die Steigerungen für die Verbraucher moderater ausfallen als die Kosten für die Versorgungsunternehmen, die für die Beschaffung der Energie entstehen. Dennoch sorgt die Zunahme des kommerziellen Anteils des Energiepreises von rund 20 auf jetzt etwa 50 Prozent für eine Zunahme der Strompreise für Verbraucher.

Deshalb explodieren nicht bei allen die Preise

Wie sehr sie dies im Einzelnen spüren, hängt von der Höhe ihres gesamten Energieverbrauches ab, von der Energieform, die sie beziehen und von der Energieform, die ihr Anbieter selbst verwendet, um die Energie zur Verfügung zu stellen.

Deshalb erleben auch nicht alle Verbraucher automatisch die gleichen Mehrkosten für ihren Energieverbrauch. Und aus diesem Grunde kann auch ein Wechsel des Stromanbieters nur in einem gewissen Maße zu Preisgewinnen beim Verbraucher führen.

Mehr Möglichkeiten beim Heizen

Etwas anders verhält es sich bei den Heizkosten. Hier stehen den Verbrauchern nämlich verschiedene Lösungen zur Auswahl. Je nach der konkreten Wohnsituation können viele wählen, ob sie die eigenen vier Wände über Fernwärme, mit einer Wärmepumpe, durch Öl oder Gas oder anhand von Pellets aufwärmen möchten.

Danmarks Statistik zufolge (Zahlen vom 1. Januar 2021) werden inzwischen 4,5 Prozent der gesamten Wohnmasse mit Wärmepumpen beheizt. 6,1 Prozent heizen elektrisch. In beiden Fällen wird dann wieder der Strompreis zum entscheidenden Faktor.

10,3 Prozent beziehen ihre Wärme noch aus Öl, Naturgas nutzen 17,9 Prozent. Von politischer Seite aus wird jedoch versucht, sowohl die Öl- als auch die Gasheizung auslaufen zu lassen. Zuletzt haben die Gaspreise eine Himmelflucht hingelegt, weshalb Verbraucher mit Gasheizung derzeit besonders von steigenden Energiekosten betroffen sind.

Gleiches gilt für Kunden, die mit Fernwärme heizen und deren Fernwärmekraftwerk ausnahmslos mit Gas arbeitet. Und während Fernwärme mit einem Anteil von 55 Prozent in Dänemark die am meisten genutzte Wärmeform zum Heizen der eigenen vier Wände ist, sind nach Angaben von Chefökonom Martin Salamon beim Verbraucherschutzverband Tænk nur rund 100.000 Kunden davon betroffen, dass ihr Fernwärmekraftwerk allein auf Gas als Energieerzeuger setzt.

Fernwärme in Nordschleswig im Vergleich günstig

Für die Fernwärmekraftwerke in Nordschleswig stellt sich die Situation glücklicherweise anders dar.

Padborg Fjernvarme beispielsweise bezieht seine Energie zu einem Teil von den Stadtwerken in Flensburg, mit denen das Unternehmen eine fünfjährige Handelsvereinbarung getroffen hat. In dieser Periode kann der Preis nur minimal steigen, wie Buchhalterin Mette Weber Søgaard gegenüber „Jydske Vestkysten“ erläutert. Zudem übernimmt das Werk große Mengen Überschusswärme von Arla in Krusau (Kruså) und verfügt über eine Solarzellenanlage in Pattburg. Der Preis bei Padborg Fjernvarme soll für dieses Jahr 512,50 Kronen per Megawattstunde betragen.

Wärmekraftwerke stehen nicht in Konkurrenz zueinander, die stehen vielmehr mit Wärmepumpen im Wettbewerb.

Martin Salamon, Chefökonom beim Verbraucherschutzverband Tænk

Bei Aabenraa-Rødekro Fjernvarme sagt Direktor Tommy Palmholt gegenüber „Jydske Vestkysten“, dass die Preise stabil bleiben, da das Werk mit Biomasse arbeitet. Das können Holzspäne oder Stroh sein, und die Wahl fällt jeweils auf das Produkt mit dem günstigsten Preis. Für die Kunden bedeutet das für dieses Jahr einen Preis von 370 Kronen per Megawattstunde. Damit zählt das Unternehmen laut „Jydske Vestkysten“ landesweit zu den zehn günstigsten Anbietern von Fernwärme.

Je vielseitiger die Energiequellen, desto höher die Preissicherheit

Aber auch das kann sich ändern, denn die steigenden Preise für Strom und Naturgas können auf längere Sicht zu einer steigenden Nachfrage nach Holzspänen oder Stroh führen und dann auch für diese Form der Energiegewinnung die Preise steigen lassen. Doch dazu müsste dann auch die Zahl der Fernwärmewerke, die mit Holzspänen oder Stroh arbeiten, steigen.

Wie „Jydske Vestkysten“ weiter berichtet, werden beim Fernwärmewerk in Tondern (Tønder) 20 Prozent der Wärme aus Gas, 25 Prozent aus Biomasse und 45 bis 50 Prozent aus Strom gewonnen.

Das Werk hat im vergangenen Herbst einen neuen Wasserkocher angeschafft, allerdings in gänzlich anderen Dimensionen als das, was in einem privaten Haushalt in der Küche steht. Er kommt immer dann ins Spiel, wenn die Energieerzeugung mit Strom günstiger ist als mit Naturgas, was vor allem nachts und an den Wochenenden der Fall ist. Oder wenn der Wind kräftig bläst und dadurch die Windräder zur Produktion einer Menge günstiger Elektrizität anregt. Derzeit liegt der Preis für eine Megawattstunde bei Tønder Fjernvarmeselskab bei 550 Kronen.

In Hadersleben können sich die Fernwärmekunden auch in diesem Jahr über gleichbleibende Preise freuen. Das Werk produziert seine Energie überwiegend aus Holzspänen aus lokalen Wäldern, und hier sichert eine längere Lieferantenabsprache stabile Preise. Gas kommt nur im Winter zum Einsatz, wenn die Temperaturen erheblich sinken. Für die Zukunft ist zudem der Bau einer Wärmepumpe geplant, so dass der Energiemix dann auf drei Säulen steht.

Noch sind wir es nicht so gewöhnt, uns mit den Marktbedingungen für Strompreise zu beschäftigen.

Martin Salamon, Chefökonom beim Verbraucherschutzverband Tænk

Fernwärmekraftwerke stehen in Konkurrenz zur Wärmepumpe

Während die Verbraucher ihren Strom von einem landesweiten Anbieter beziehen können, operieren Fernwärmekraftwerke stets lokal. Denn je weitere Strecken das warme Wasser zurücklegen muss, bevor es beim Verbraucher ankommt, desto schwieriger wird es, noch den erforderlichen Wirkungsgrad zum Beheizen der heimischen vier Wände zu erzielen.

Martin Salamon vom Verbraucherschutzverband Tænk pointiert denn auch, dass die Fernwärmekraftwerke nicht in Konkurrenz zueinanderstehen, sondern vielmehr mit einer ganz anderen Form der Wärmegewinnung: der in jüngerer Zeit immer populärer werdenden Wärmepumpe.

Und auch bei Norlys hat Direktor Mads Brøgger eine klare Empfehlung: die Anschaffung einer Wärmepumpe, wo dies möglich ist. Sie wird als zukunftssicher und als wesentlich nachhaltigere Lösung angesehen.

Nachhaltige Lösung

„Eine Wärmepumpe kann eine richtig gute Alternative vor allem für diejenigen sein, die mit Naturgas heizen. Zum einen ist die Wärmepumpe Teil der Umstellung auf nachhaltigere Energieformen, weshalb eine Umstellung auch bezuschusst wird, und zum anderen handelt es sich dabei ja um eine wesentlich umweltfreundlichere Lösung“, sagt Mads Brøgger.

Und damit rückt der Strompreis wieder in den Mittelpunkt, denn eine Wärmepumpe benötigt Strom zum Betrieb. Um den so günstig wie möglich zu beziehen, gibt es neben dem bereits erwähnten Portal elpris.dk auch noch auf der Seite energispar.dk und auf den Seiten des Verbraucherschutzverbandes Tænk Informationen.

„Noch sind wir es nicht so gewöhnt, uns mit den Marktbedingungen für Strompreise zu beschäftigen, und es kostet Zeit, sich dort einzuarbeiten“, gibt Martin Salamon zu bedenken.

Doch diese Zeit kann durchaus so mache Krone wert sein.

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