Umweltpolitik

Himmark-Verschmutzung: Das sind die nächsten Schritte

Himmark-Verschmutzung: Das sind die nächsten Schritte

Himmark-Verschmutzung: Das sind die nächsten Schritte

Sonderburg/Sønderborg
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Rechts unterhalb der kleinen Landzunge beginnt der Himmarker Strand. 950 Meter weiter gen Norden soll ein neues Ferienresort entstehen. Foto: Google Maps / Screenshot

Wie geht es weiter mit der Beseitigung der Erdreichverschmutzung am Himmarker Strand? Die Regierung wartet derzeit auf eine Dringlichkeitsliste der Regionen. Welche Priorität der Fall Himmark dabei hat, ist noch völlig offen, sagt der Ausschussvorsitzende des regionalen Umweltausschusses.

Umweltministerin Lea Wermelin (Soz.) hat sich am Mittwoch der Bewertung der Region Süddänemark angeschlossen: Die Erdreichverschmutzung am Himmarker Strand ist eine sogenannte „Generationenverunreinigung“, eine der zehn umfassendsten Umweltverschmutzungen im ganzen Land.

Doch wie geht es jetzt weiter mit der Beseitigung der Giftstoffe am Küstenabschnitt, die in den 1960er- und 1970er Jahren aus eine Altlasten-Deponie des Unternehmens Danfoss in Erdreich und Meeresboden gesickert sind?

Finanzierung der Aufräumarbeiten ist noch völlig offen

Die Region Süddänemark hat den Fall im Dezember offiziell als „Generationenverschmutzung“ anerkannt. Damit ist der Staat verpflichtet, sich finanziell an der Beseitigung zu beteiligen. In weniger kostenintensiven Fällen obliegt die Reinigung des Erdreiches alleine der Region.

Doch wie viel Geld die Regierung zur Verfügung stellt und welcher der zehn Verunreinigungen im Land Priorität eingeräumt wird, ist noch völlig offen.

Generationenverschmutzung

  • Eine Generationenverschmutzung (auf Dänisch „generationsforurening“) ist eine Verschmutzung des Erdreiches, deren Beseitigung über 50 Millionen Kronen kostet.
  • Der Name ist davon abgeleitet, dass es mehrere Generationen dauert, die Verschmutzung zu beseitigen.
  • In ganz Dänemark gibt es derzeit zehn offizielle Generationenverschmutzungen.



Ein Sprecher aus dem Umweltministerium teilte auf Anfrage des „Nordschleswigers“ mit, dass man derzeit auf die Einschätzung der dänischen Regionen warte. Diese müssten sich zunächst auf eine „Rangliste“ einigen, welche der zehn Fälle landesweit am dringendsten sind.

Die Regierung wartet auf Dringlichkeits-Liste der Regionen

Erst dann könne das Umweltministerium zusammen mit der Regierung eine politische Entscheidung über die Höhe der Fördersumme treffen.



Der betroffene Strandabschnitt im Osten von Himmark Foto: Lene Esthave/Ritzau Scanpix

Im Interview mit dem Ausschussvorsitzenden der Region Süddänemark, Jørn Lehmann Petersen (Soz.), hat „Der Nordschleswiger“ nachgefragt, wie sich die Regionen untereinander einig werden können – und wie weit oben auf der Dringlichkeitsliste der Himmarker Strand stehen wird.

Jede Region wird versuchen, die eigenen Fälle weit oben zu platzieren. Wie realistisch ist es, dass dem Himmarker Strand eine hohe Dringlichkeit eingeräumt wird?

„Das ist in der Tat problematisch. Ende Januar und Anfang Februar 2020 wird sich der Verband der dänischen Regionen eine Übersicht über die Dringlichkeit verschaffen und eine Liste erstellen. Es gibt Fälle im Land, bei denen das Grundwasser bedroht ist. Wir müssen uns einig darüber werden, wo die Bedrohung am schlimmsten ist. Aus dieser Sicht ist der Himmarker Strand vermutlich nicht der Fall, von dem die größte Gefahr ausgeht.“

Welche Kriterien gibt es, wonach wird entschieden?

„Zum einen gibt es Fälle, da könnte sofort mit dem Aufräumen begonnen werden. Und es gibt Fälle, da ist noch völlig offen, wie die Verschmutzung beseitigt werden kann. Beispielsweise wissen wir nicht, wie groß der Umfang der Verschmutzung in Himmark ist und wie das verschmutzte Erdreich gesäubert werden kann.

Ein Argument für eine schnelle Säuberung bei Himmark ist aber auf jeden Fall das geplante Ferienresort vor Ort, wo viele Arbeitsplätze entstehen werden. Arbeitsplätze sind für das Umweltministerium vielleicht nicht das größte Argument, dennoch wollen wir es in die Waagschale werfen.“


Alle drei Fälle sind unangenehme Verschmutzungen und sollten schnellstmöglich beseitigt werden.

Jørn Lehmann Petersen, Regionsratspolitiker

In der Region Süddänemark gibt es drei Fälle von Generationenverschmutzung. Welche davon erhält Priorität?

„Alle drei Fälle sind unangenehme Verschmutzungen und sollten schnellstmöglich beseitigt werden. In Grindsted ist fraglich, inwieweit die Verunreinigung für Anwohner gefährlich ist, das muss noch herausgefunden werden. In Himmark haben wir ein Badeverbot verhängt, um Bürger zu schützen. Über diese Frage muss also noch entschieden werden, das kann ich noch nicht sagen.“

Ist es bei all den schweren Fällen von Umweltverschmutzung im Land nicht eher unwahrscheinlich, dass der Strand von Himmark eines der ersten Projekte wird, das Geld vom Staat erhält?

„Ja, das muss man sagen. Aber wir haben bei Himmark den Fall, dass das Unternehmen Danfoss als Verursacher der Verschmutzung bereit ist, sich an der Säuberung zu beteiligen. Danfoss hat bereits die Untersuchung bezahlt, deren Ergebnisse in Kürze vorliegen und die den Umfang der Verschmutzung aufzeigen.

Dadurch, dass wir auf finanzielle Unterstützung von Danfoss setzen können, ist es vielleicht trotzdem möglich, den Himmarker Strand relativ schnell zu säubern. Die Region hat für die Beseitigung zwischen 15 und 20 Millionen Kronen eingeplant. Damit kommen wir nicht weit.“

Generationenverschmutzung in Süddänemark

  • Kærgård Klitplantage nördlich von Esbjerg: Dort ist das Erdreich durch giftige Abwasser u. a. vom Grindstedværket verunreinigt.
  • Grindstedwerk, Grindsted: Das Erdreich rund um das alte Grindstedwerk ist durch Abwasser verschmutzt.
  • Himmarker Strand: Durch eine Altlasten-Deponie des Unternehmens Danfoss sind zwischen 1950 und 1967 Erdreich und Meeresgrund vergiftet worden, u. a. mit Vinylchlorid, das aus Altöl und Lösungsmitteln ins Erdreich gesickert ist.

Die Fälle stammen aus den 1960er und 1970er Jahren. Jetzt haben wir 2020. Warum dauert es so lange, die Verschmutzungen zu beseitigen?

„Die Verschmutzungen sind enorm. Und es ist ja schon eine Menge passiert, die Quellen wurden beseitigt, aber eben noch nicht das Erdreich drumherum. Und in Himmark wird ja erst noch bekannt, wie schwer die Verschmutzung ist.“

Wann können die Menschen auf Nordalsen wieder am Strand von Himmark baden?

„Wenn es nach mir ginge, so schnell wie möglich. Aber erst müssen wir uns innerhalb des Regionsrates einig werden, dann innerhalb des Verbandes der Regionen, und dann muss die Regierung in Kopenhagen entscheiden, wie viel Geld fließt. Das ist ein langer Weg, und ich kann die Frage leider nicht beantworten.“

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