Fussball

„Plötzlich hatte ich Jürgen Klopp am Telefon“

Jens Kragh Iversen
Jens Kragh Iversen Sportredaktion
Hadersleben/Haderslev
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Thomas Grønnemark gibt beim Montagstraining von SønderjyskE seine Anweisungen. Karin Riggelsen Foto: Karin Riggelsen

Thomas Grønnemark hat sich als Einwurf-Trainer in der Fußball-Branche einen Namen gemacht.

Die Stimmung beim ersten Training nach dem 3:0-Erfolg von SønderjyskE in der Fußball-Superliga gegen Randers FC war anders als gewohnt. Das lag nicht etwa am ersten Sieg seit vier Monaten, sondern vielmehr daran, dass die Traningseinheit nur einen Fokuspunkt hatte, und zwar keinen alltäglichen: Einwurf-Training!

Übungsleiter war Thomas Grønnemark, seines Zeichen hauptamtlicher Einwurf-Trainer, der in der Fußball-Branche anfangs belächelt wurde, aber sich mittlerweile einen Namen gemacht hat und mit Klubs wie der FC Liverpool, RB Leipzig, KAA Gent und FC Midtjylland arbeitet.

„Ich kann gut damit leben, dass ich belächelt worden bin. Skeptiker gibt es immer, aber die meisten kann ich schnell überzeugen. Sie sehen auch, dass die Zahlen Sinn ergeben. Es ist erschreckend zu sehen, auf welchem Niveau vielerorts die Einwürfe ausgeführt werden, aber das ist nur mein Vorteil, denn der Weg zur Verbesserung ist nur kurz. Das sind Spieler, die zum Teil Millionen oder Milliarden verdienen. Wenn die sich mit dem Fuß so viele Ballverluste wie beim Einwurf leisten würden, würden sie in der Serie 4 spielen“, sagt Thomas Grønnemark im Gespräch mit dem Nordschleswiger.

Der 43-Jährige aus Horsens, der seit vielen Jahren schon in Skive lebt, beschäftigt sich bereits seit 2006 intensiv mit dem Einwurf, kam aber erst ganz groß raus, als Jürgen Klopp ihn holte. Beim FC Liverpool gibt er monatlich eine Woche lang seine Anweisungen und analysiert. Klopp sieht merkbare Fortschritte, der Vertrag wurde kürzlich verlängert.

Foto: Karin Riggelsen

„Wenn man das Spiel zwischen Everton und Liverpool vom Sonntag betrachtet, gab es 63 Einwürfe. Das sind unglaublich viele Situationen, die man optimieren kann. Die meisten Mannschaften verlieren bei 50 Prozent der Einwürfe unter Druck den Ballbesitz. Ballverluste können oft gefährlich sein. Alle Mannschaften haben in diesen Situationen das Potenzial sich zu verbessern“, meint Grønnemark: „Alle denken, dass alles sich um die Länge der Einwürfe dreht, aber ich arbeite mit drei Kategorien: der lange, der schnelle und clevere Einwurf. Der lange Einwurf ist beispielsweise für einen Außenverteidiger eine Waffe, das Einwurf-Areal zu erhöhen. Der schnelle Einwurf kann gute Umschaltsituationen erzeugen und der clevere Einwurf kann Raum schaffen, um den Ball in eigenen Reihen zu halten.“

Beim 43-Jährigen leuchten die Augen, er könnte ganz offensichtlich stundenlang leidenschaftlich über Einwürfe sprechen.

„Die Leidenschaft ist, was mich antreibt. Ich bin immer schon meinen Träumen hinterhergejagt, da lebe ich ganz gut mit der Skepsis, der ich manchmal begegne. Wenn man schon einmal den verrückten Traum hatte, als Däne Bobfahrer zu werden, ist man Skepsis gewohnt“, sagt Thomas Grønnemark und denkt an seine Zeiten als Bremser des dänischen Viererbobs zurück.

Foto: Karin Riggelsen

Grønnemark war seinerzeit ein talentierter Fußballer bei Horsens fS, doch zu einer Profi-Karriere hat es nicht ganz gereicht. Er wechselte zur Leichtathletik, gehörte zur dänischen Nationalmannschaft in der 4x100-Meter-Staffel, feierte DM-Titel und auch einen EM-Titel für Vereinsmannschaften mit der 4x400-Meter-Staffel. 2002 lockte das Viererbob-Projekt des Pattburgers Tom Johansen.

„Ich war schnell, stark und schwer. Im Bob hat man mit 70 Kilo keine Chance, und ich war mit meinen 90-91 Kilo immer noch sehr schnell. Ich hatte nur das Problem, dass ich immer schon Angst vor Achterbahn-Fahrten hatte. Ich habe es aber überlebt, obwohl ich beim ersten Mal fürchterlich nervös war und es hundertmal schlimmer als eine Achterbahnfahrt ist“, erinnert sich Grønnemark, der vier Jahre lang Bremser des Viererbobs war und gemeinsam mit seinen Teamkameraden aufhörte, als Danmarks Idræts-Forbund wegen zu geringer Chancen auf eine gute Platzierung einen Start bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin verweigerte, obwohl der Viererbob die internationale Qualifikationsnorm erfüllt hatte.

Der Einwurf wurde seine neue große Leidenschaft, und die Karriere als Einwurf-Trainer erlebte mit dem Anruf von Jürgen Klopp einen Höhepunkt.

„Ich bin immer schon Liverpool-Fan gewesen, und dann hatte ich plötzlich eine Nachricht von Jürgen Klopp auf meinem Anrufbeantworter. Ich war mit der Familie unterwegs, wollte ihn zurückrufen, wenn wir wieder zu Hause waren, aber auf dem Heimweg rief er dann wieder an. Ich bin rechts rangefahren und hatte plötzlich Jürgen Klopp am Telefon. Das war surreal. Er hatte von mir in der Bild-Zeitung gelesen und wollte mich auf die Trainingsanlage von Liverpool in Melwood einladen“, erzählt Grønnemark.

Auch Ralf Rangnick hatte er plötzlich am Telefon. Mittlerweile wird er von dem in Hadersleben lebenden Apenrader Michael Møller vertreten.

„Michael hat mir als Manager neue Türen geöffnet“, sagt Thomas Grønnemark.

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